Osteopathie - Leben ist Bewegung
Säuglingsosteopathie 
 
 
 
Die Entstehung von Geburtstraumata
 
Bis eben noch sicher und geborgen beginnt der Weg ins Leben für das Neugeborene mit seinem ersten Trauma. Unvorstellbar groß sind die Kräfte, die während der Geburt auf das Neugeborene einwirken. Schädelknochen verbiegen und verschieben sich im engen Geburtskanal. Alle Gewebe werden so starkem Druck ausgesetzt, dass sogar das Köpfchen zeitweilig eine andere Form annimmt.
 
Aus diesem Grund hat die Natur dem Gewebe eine hohe Flexibilität geschenkt. Wird die Schwelle der Strapazierfähigkeit der Gewebe jedoch überschritten, können Folgen für das Neugeborene auftreten. Viele dieser Folgen erkennen wir bereits direkt nach der Geburt. Einseitige Haltungen des Kindes, vermehrtes Schreien, schwaches Saugen und Schlucken, Verdauungsstörungen und vieles mehr können auf ein Geburtstrauma hinweisen.
 
Andere Störungen bleiben zunächst im Verborgenen. Diese äußern sich erst im Laufe der Zeit. Eine verzögerte motorische Entwicklung, Seh- und Hörstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Wirbelsäulenverkrümmungen, Asymmetrien etc. sind häufige Folgen von nicht behandelten Geburtstraumen.
 
„Das wächst sich schon wieder hin!“- ist einer der größten kursierenden Irrtümer und verheerend für die Entwicklung Ihres Kindes! Mit den genauen Kenntnissen der Anatomie und sanften Techniken der Osteopathie (insbesondere der Craniosacralen Therapie) können diese Symptome durch eine gezielte osteopathische Behandlung erfolgreich aufgehoben oder zumindest gelindert werden. Komprimierte Strukturen werden befreit und erhöhte Spannungen gelöst. Primäres Ziel ist dabei nicht die optische Korrektur. Vielmehr wird dem Gewebe die Beweglichkeit wiedergegeben, welche es benötigt, um auf äußere Reize angemessen reagieren zu können und sich somit physiologisch weiter zu entwickeln.
 
Auch der Zustand des Neugeborenen kann Hinweise auf die Gesundheit seines nervalen Systems geben.
 
Ein wichtiger Hinweis auf mögliche Probleme ist eine Veränderung der Reihenfolge oder fehlende Stadien in der Bewegungsentwicklung. Diese sollten folgenden Verlauf zeigen:
 
  • Bauchlage und Stütz
  • Rollen (seitlich),
  • Robben (flach kriechend, symmetrisch),
  • Krabbeln (auf Händen und Knien, im gekreuztem Muster),
  • an Möbeln aufrecht, seitlich fortbewegen, 
  • Gehen mit ungefähr einem Jahr.
 
Jeder dieser Entwicklungsschritte geht mit einer spezifischen Reifung des Nervensystems einher. Jede Veränderung lässt deshalb darauf schließen, dass Bereiche des Zentralnervensystems beeinträchtigt worden sind.
Möglicherweise wird das Saugen in einigen Tagen „erlernt“ oder das Erbrechen gibt sich nach ein oder zwei Monaten „von selbst“. Das Überstrecken des Rückens und die Extension des Nackens werden weniger auffällig durch die Weiterentwicklung zum Stehen und zum Gehen, äußern sich nun aber im Zehen-Gang.
Kinder im schulpflichtigen Alter mit offenkundigen Problemen haben meist Wahrnehmungsfunktionsstörung die die Sicht- und Gehörfähigkeiten behindern und bereits eine Vielzahl medizinischer Interventionen hinter sich.
Diese Kinder bedürfen dringend der strukturellen Behandlung um die Muskulo-Skeletale Geschlossenheit ihres Körpers wieder zu erlangen. Eine kompetente, vollständige osteopathische Behandlung kann diesen Kindern sehr helfen. Das allgemeine Wohlbefinden sowie die neurologischen Funktionen können erheblich verbessert werden.
Ergänzungstherapien wie Pflegerische Gymnastik, Visuelles- und Gehörwahrnehmungstraining, Privatunterricht und eine gut-ausgeglichene Diät mit Vollwertigen, natürlichen Nahrungsmittel, schaffen wirkungsvolle Voraussetzung für eine Weiterentwicklung und Nachreifung des Kindes.

Die strukturellen Funktionsstörungen, die aus Geburtstraumata resultieren, sollten so früh als möglich behandelt werden, damit die neurologische Entwicklung zufriedenstellend verlaufen kann. Indem man optimale anatomisch-physiologische Verhältnisse wieder herstellt, können Verhaltens- und Entwicklungsprobleme, abgewendet werden.
Wenn es eine lange Geburt von mehr als sechzehn Stunden, „Falsche Wehen“ oder eine zu schnelle Geburt gegeben hat, kann es zu funktionellen Beeinträchtigungen im Kopfbereich des Kindes kommen.
Auch Infekte im Säuglingsalter und 
Impfungen hinterlassen Einschränkungen im Hirnhautbereich. 
 
Spucken, Schreien
Der Hinterkopfbereich (occipital-Bereich) ist für den Geburtsprozess von allergrößter Bedeutung da er den Weg des Kindes durch den Geburtskanal leitet. Hier wirkt aber auch das Hauptgewicht der Kräfte, wenn es zu Verzögerungen und Komplikationen im Geburtsverlauf kommt.
An dieser Stelle verlassen drei wichtige Hirnnerven den Schädel: der 9. Hirnnerv (N. hypoglossus) welcher für das Saugen und Schlucken wichtig ist, der 10. Hirnnerv (Vagusnerv) welcher u.a. den Magen und Verdauungstrakt versorgt und verdauungsfördernd wirkt und der 11. Hirnnerv (N. Accesorius) welcher die Hals und Schultermuskulatur versorgt und für die Kopfhaltung und Drehung wichtig ist.
Innerhalb des Hinterhaupts ist auch die große Öffnung durch die das Rückenmark austritt. Alle Nervenbahnen, die zu irgendeiner Struktur im Körper unterhalb des Schädels gehen, müssen durch diese Öffnung.
Folglich kann, wenn das Hinterhaupt durch Druck beeinträchtigt wird, die Symptomatik des Nervensystems von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein, vom mildem Spucken bis zum Kind, das hyperaktiv oder aggressiv ist, unter Aufmerksamkeitsstörungen leidet, das Lernprobleme, Ängste oder andere Verhaltenprobleme hat. Außerdem können auch viele orthopädische, kieferorthopädische, internistische und augenärztliche Schwierigkeiten durch Probleme in diesem Bereich ausgelöst oder mitverursacht werden.
Immer wenn das Baby Mühe mit dem Saugen hat oder häufig spuckt oder erbricht wenn es das Köpfchen zurückbiegt oder nur zu einer Seite dreht müssen wir davon ausgehen, dass es zu einem gewissen grad Probleme in diesem Bereich während der Geburt gegeben hat.
Unter der Geburt entstehen Blockaden vor allem durch erhöhte Druckverhältnisse, lange Wehenpausen, Lageveränderungen des Kindes, oder durch den Einsatz von Hilfsmitteln, wie Zange oder Vakuumpumpe.
 
Blockaden der Babys kommen sowohl bei Spontangeburten, Vakuumextraktionen, als auch bei Kaiserschnitten vor. Je schwieriger und außergewöhnlicher eine Geburt verläuft, z.B. sehr kurz oder lang, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung von Schädel- und Beckendysfunktionen.
 
Da die meisten Störungen vom Laien nicht erkannt werden, empfehle ich auch bei unauffälligen Kindern eine vorbeugende Untersuchung. Im Idealfall sollte diese unmittelbar nach der Geburt erfolgen. Aber auch in jedem anderen Alter.
 
Häufige Probleme bei Neugeborenen
 
  • Stillprobleme, Erbrechen oder Spucken nach dem Stillen
  • Entwicklungsstillstand
  • Verzögerungen beim kräftigen und gesunden Saugen von mehr als 12 Stunden.
  • Zurückbiegen oder werfen des Köpfchen, Schiefhals, Lieblingsseite, KISS-Syndrom
  • Asymmetrische Bewegung der Arme oder der Beine
  • Nicht beruhigbares Schreien über lange Zeit
  • Otitis-Media (Ohr-Infektionen)
  • Verdauungsprobleme, Reizdarm, Verstopfung, Übelkeit, Koliken
  • Asthma, chronische Tonsillitis, Allergien, Infektanfälligkeit, Bronchitis,
  • Impfungen
 
“Was wir bei einer Behandlung tun, ist wie eine Tür in einem Haus zu öffnen, so dass die Bewohner im Innern sich frei bewegen können.” Viola Frymann
 
 
 
 
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